Wenn man sich nur das Wort anschaut, sieht man schon, dass es voller Tiefe und Unwägbarkeiten steckt. Ein Wort wie das Bermuda Dreieck. Wenn man es ein bisschen anschauen würde, bevor man sich darauf einläßt, würde man es vielleicht schlau umschiffen. Was steckt dahinter?
Die Klippe
Weshalb ich davon schreibe? Es war so: heute morgen habe ich jemandem erzählt, dass ich aus beruflichen Gründen auf eine Veranstaltung gehe. Als ich eingeladen wurde, habe ich angeboten, auch irgendwie helfen zu können. Das hat der Veranstalter angenommen. Bei all dem habe ich mir nichts gedacht, bis ich jemandem davon erzählt habe, der Vollzeit arbeitet. Der hat mich gleich darauf hingewiesen, dass das ja nicht in meinem Vertrag als Freelancer steht. Und dass mich das gleich weiter in der Position der Aushilfe zementiert. Da bin ich vor Schreck erstarrt.
Wie konnte das passieren? Denn ich habe mir gar nichts dabei gedacht (offensichtlich!), als ich einen Gefallen angeboten habe.
Das Gewässersystem unbezahlte Arbeit
Das mag ja seltsam erscheinen, aber ich glaube, es ist die logische Konsequenz von einem Dasein als Mutter. Denn von der wird immer erwartet, dass sie gerne und unkompliziert hilft. Natürlich zu Hause: den Kindern beim Anziehen. Bei den Hausaufgaben. Beim Auffinden verschwundener Gegenstände. Das alles ist natürlich nur kurz nebenher, voll Freude und ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Denn die ganze Existenz als Mutter ist ja eben das Prinzip der unbezahlten Arbeit. Hausarbeit ist theoretisch gleichsam Lebensfreude.
Daraus wächst ganz natürlich, quasi organisch, die nächste Stufe: die kurze Hilfe am Kind ausser Haus. Im Kindergarten kurz was Backen, Basteln, Aushelfen. In der Schule. Im Verein. Immer macht man alles, weil es ja nicht viel Aufwand ist und schön und gut für Kind, das Gemeinwesen und natürlich einen selbst. Daraus wachsen Freundschaften mit Menschen, die auch alle unbezahlt ihre Zeit und Arbeit zur Verfügung stellen.
In fremden Gewässern
Wer kann es einem dann verdenken, dass man in anderen sozialen Interaktionen auch schnell dabei ist, Gefallen anzubieten. Da wird man vom Kunden zu einer Feier eingeladen und sagt, „Wenn Du was brauchst, sag Bescheid.“ Denn das ist die Grundlage der Interaktion im Ökosystem Haus und Herd.
Wenn man dann seinen Kopf in die Welt der bezahlten Arbeit steckt, wird man überrollt. Denn man denkt nur mit grosser Disziplin daran, dass Arbeit bezahlt sein könnte. Dass man nicht einfach nur kurz alles Mögliche macht, und dann immer noch ein wenig länger bleibt, um aufzuräumen.
Kein Wunder, verdienen Frauen im Durchschnitt erheblich weniger. Unsere Währung ist scheinbar die Freude am Dasein und der Gefallen.
Und da ist eben dieses Wort. Der Gefallen, um zu gefallen. Der Gefallen, wie „Du bist in die Falle des Gefallen gefallen“.
Aber klar, eigentlich mag ich den Gefallen. Ich gebe gern meine Zeit und bin auch nicht schüchtern, andere nach einem Gefallen zu fragen. Ich will ihn jetzt nicht schlecht reden. Er ist die Grundlage von wunderbaren sozialen Interaktionen.
Auf neuem Kurs
Jedoch, wenn man das Habitat der Mutter überschreitet und dann die Gefallen noch so locker sitzen, wird man belächelt, macht sich lächerlich und verliert an Ansehen. Das muss man sich einfach merken.
Deshalb muss ich jetzt den Gefallen bitten, einen Schritt zurück zu treten. So wie ich auf der Strasse nicht mit Lockenwicklern herumlaufe, biete ich auch nicht mehr meine Arbeit einfach so an. Ich bin jetzt professionell und knallhart.
Ich setze den Gefallen ins Rettungsboot und segele weiter! Bleib mir vom Leib, tu mir den Gefallen!
-
Hiatus
Why did I stop blogging and why am I back? On the love of authenticity and imperfection!
-
The Cave Theory: Ancient Roots of Sleeplessness
My Cave Theory explains why we wake up in the middle of the night and we should not worry about it too much.
-
Wieder mal von vorn
Wie man sieht, tut sich auf dieser Seite gar nichts. Aber das heisst natürlich nicht, dass sich sonst auch gar nix tut. In Wirklichkeit schreibe ich immer noch recht viel und mache mir natürlich immer noch viel zu viele Gedanken. Die werde ich demnächst auch wieder hier teilen. Nur leider drängelt sich eben das echte…




Hinterlasse einen Kommentar