Verzicht oder nicht?

Gestern am Aschermittwoch sprach ich mit meiner Freundin über ihre Pläne zum Verzicht in der Fastenzeit. Irgendwie finde ich das gut, dass sie das macht. Kein Kaffee und keine Zucker. Ich verfolge das mit Interesse. Aber dann fragte sie mich: „Und Du?“. Da hatte ich keine echte Antwort darauf.

Und nach einem Tag des Grübelns, weiss ich es immer noch nicht. Deshalb hoffe ich, dass mir das Nachdenken mit Euch im Blog helfen wird.

Verzicht auf Dinge, die mir nicht gut tun

Sofort verstehe ich grundsätzlich, dass es gut sein kann, auf manche Dinge zu verzichten. Das können Sachen sein, die für einen schädlich sind: rauchen, Alkohol, fette Würstchen. Zweifelsfrei ist es gut, einen modernen „Mental Detox“ zu machen, etwa kein Fernsehen schauen oder weniger Textnachrichten tippen. Aber das fällt in Kategorie „fällt schwer, wäre aber gut für mich an jedem Tag“.

Ein bisschen fürchte ich, dass es wie eine Diät ist, mit großem Jo-Jo-Effekt. Nach dem Fasten mach ich das alles dann extra gerne.

Verzicht für Andere

Manche sagen, dass man mit dem Fasten daran erinnert wird, dass Andere leiden.

Das finde ich ziemlich unverständlich: es hat ja kein Anderer hat etwas davon, wenn ich keine Snacks mehr esse. Kein Armer wird satt davon, wenn ich mir keine Milch mehr in den Tee schenke. Da muss man einen Schritt weitergehen und handeln und teilen. Das schadet ja eh nie.

Für Andere verzichten, kann auch bedeuten, auf Dinge zu verzichten, die dem Gemeinwohl schaden: Müll produzieren, Krach machen, Luft verschmutzen. Also kaufen wir nix oder mindestens weniger ein oder fahren nicht mehr Auto. Das ist aber auch nicht nur 40 Tage notwendig. Außerdem wäre das auch wieder anders motiviert und keine Ahnung, ob das als Fasten gilt?

Verzicht einfach so

Ist nicht ein Grundgedanke der Fastenzeit ist, dass man auf etwas verzichtet, was einem lieb und wichtig ist? Auf das Essen zu verzichten, dafür gibt wohl eher keinen rationalen Grund. Man verzichtet, um Verzicht zu üben und darüber eine andere Erkenntnis zu gewinnen.

Religiöse Fastentraditionen

Wenn ich flott Google frage, wird häufig angeführt, dass laut Bibel sowohl Moses als auch Jesus 40 Tage gefastet haben. Daher wird argumentiert, dass man sich durch das Fasten daran erinnert. Nun ist es ja wohl so, dass erstens manches bildlich gemeint ist in der Bibel (also genau die 40 Tage), und ich dann genau das Fasten etwas willkürlich finde.

Warum dann auch nicht einmal im Jahr ein Boot bauen, um an Noah zu erinnern?

Klar, in allen Religionen gibt es Fastenrituale und irgendwas Magisches wird schon dran sein, so gäbe es das wohl nicht. Wir erinnern uns an Siddharta unterm Baum. Oder für nicht Gläubige vielleicht Gandalf auf dem Weg zum Weißen Zauberer.

Die fast unerträglichen Entbehrungen ermöglichen eine Transformation.

Ich kann mir vorstellen, dass man sich von Ballast befreien kann, wenn man etwas radikal ändert. Schon möglich, dass man damit eine Grenzerfahrung herbeiführt. Man testet aus, was man aushält. So wie eine Ausdauer- und Mutprobe.

Aber ich bin immer noch nicht dabei.

Warum will ich nicht?

Jetzt weiss ich nicht: habe ich nur Angst vorm Verzicht und suche nach Ausreden? Das wäre ja ganz schön lahm. Was ist da los? Natürlich kann ich mich hinter Kirchenkritik verstecken. „Wenn der Papst das sagt, mach ich es eh gleich nicht.“

Ich bin ja meist bereit, Dinge auszuprobieren. Aber ich bin noch nicht überzeugt. Wenn ich schon so viel Willenskraft aufbringen soll, um meine Grenzen zu überwinden, könnte es nicht auch für etwas sein, was irgendwie zielführend ist? Etwa Italienisch lernen, Yoga praktizieren oder die Garage aufräumen?

Oder einfach doch?

Vielleicht ist die Fastenzeit einfach nur ein Anlass, einmal etwas zu machen, was man ohnehin tun wollte, wozu man sich sonst nur nicht so leicht aufraffen kann. Gesünder leben. Weniger Stress mit Sozialen Medien. Vielleicht nehme ich es wieder mal unnötig ernst?

Es fasziniert mich aber weiterhin. Und ich werde nicht darauf verzichten, weiter darüber nachzudenken!

Ich freue mich über Eure Meinungen!

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