Die Zwickmühle von „Mal Eben“ und „Nur Kurz“

Vielleicht kommt es mit dem Alter: aber die Liste der Dinge, die man erledigen sollte, wird immer länger und die Tage dazu immer kürzer. Das führt unweigerlich dazu, dass Vielerlei vergessen oder vernachlässigt wird. Und es rückt das schlechte Gewissen an.

Die Routine der guten Vorsätze

Oftmals ist man den ganzen Tag in Eile und weiß dann gar nicht, wo die Zeit eigentlich hin ist. Es hätte doch nur fünf Minuten gebraucht das Waschbecken zu wischen / den Beckenboden zu trainieren / Klavier zu üben / Französischvokabeln zu wiederholen / mit dem Hund zu trainieren / die Oma anzurufen? Wie schwer kann das sein?

Aber wenn man mal alle täglichen Nebenher-Klein-Klein-Sachen zusammenstellt, wird man rasch stutzig: es läppert sich!

Allein die Liste der Dinge, die ich während des Zähneputzens machen könnte, ist endlos. Meist endet es allerdings damit, dass ich vor mich hinschrubbe und mir im Moment der Ruhe siedendheiss einfällt, was noch Alles zu tun ist.

„Mal eben“ und „nur kurz“ sind sind die Feinde des klaren Gedankens.

Denn die drängen sich immer dazwischen. Und es ist ja auch so, dass all diese Dinge berechtigte Plätze in unserem Leben haben. Man kann also nicht so einfach sagen, das ist doch „Quatsch wie Werbefernsehen: das schaffe ich ab!“

Eine ihrer besonderen Heimtücken ist, es bleibt meist nicht bei den angepeilten fünf Minuten, sondern ein unbedachter Handgriff und die umliegenden fünfzehn Minuten sind dahin. Im Bad gibt es noch kurz nassen Handtücher aufzuhängen und Wäsche einzusammeln / eben noch Schulter und Fussgelenke mit mobilisieren / mit Oma ein bisschen plaudern / ihr wisst ja.

Das besonders gemeine ist, wenn du es heute gemacht hast, gilt auch nur für heute. Morgen könnte das alles wieder gemacht werden.

Zeitmanagement für Profis

Ich habe den Verdacht, dass viele schlaue Managementgurus keinen Haushalt mit Kindern und Hund nebenbei machen. Das wird gleich als Erstes an irgendjemanden ausgelagert. Denn man sieht sofort: viel Aufwand, wenig Ertrag.

Man kennt ja das Modell von: dringend – später, wichtig – unwichtig. Organisationsprofis machen nur Wichtiges selbst. Und verlieren eben gerade nicht über dringenden/unwichtigen Aufgaben die wichtigen/langfristigen Ziele aus den Augen!

Leider sind in meinem Alltage viele dieser Dinge dringend (der Hund möchte leider nicht nur einmal am Monatsanfang gefüttert und bewegt werden) und nicht wichtig in dem Sinne, dass man dafür Anerkennung oder gar Lohn bekäme.

Natürlich gibt es für viele Einzelposten auf der langen Liste (Dogwalker, Nanny, Putzfrau) eine andere Lösung. Oder ich kann Aufgaben zusammenlegen und optimieren: Vielleicht könnte ich auf dem Klavier französische Chansons singen und dabei meine Rückenübungen machen? (Das würde ich mir dann patentieren lassen!)

Mal eben Leben

Wenn ich also wieder mal Abends beim Kochen merke, was ich alles nicht gemacht habe und mich ein schlechtes Gewissen befällt, muss ich mich daran erinnern:

  • ich will schliesslich mein Leben selbst leben, dazu gehört die Tretmühle des Alltags
  • Optimierung klappt nicht immer
  • und am Allerwichtigsten:

Für schlechtes Gewissen habe ich eigentlich gar keine Zeit, denn ich muss NOCH KURZ mit meiner Familie reden und MAL EBEN essen.

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