Zögern

Zögern klingt unschuldig, als würde man nur kurz auf den Zehen federn und noch einen Moment nachdenken: „Sie zögerte, bevor sie die Milch aus dem Kühlschrank nahm.“

Und genau das ist das Problem mit dem Zögern. Es ist immer nur ein Moment. Aber eben einer, der dann schnell ein Teil von ganz vielen Momenten wird. Und dann, ehe man sich so recht zu Ende gezögert hat, die Entscheidung noch immer in der Luft hängt, macht man schnell das Nächstbeste, nämlich erst mal was Anderes. Und dann ist der Moment vorbei und das Leben zieht einen mit.

Es ist manchmal wie im Strömungskanal im Freibad, wenn man da zu zögerlich ist, verpasst man auch den Ausstieg und treibt dann mit den Anderen so lange, bis der Bademeister die Wellen abdreht.

Warum zögern wir?

Das Zögern ist ja ein Schutzmechanismus. Unser Instinkt meldet, dass sich eine Gefahr anbahnen könnte. Und dann zögern wir und fangen an, die Situation noch einmal genauer zu analysieren. Das ist ja gut, wenn wir durch den Urwald gehen, plötzlich zögern und dann erst merken, dass wir ein Rascheln gehört haben und der Tiger hinter dem nächsten Baum sitzt.

Wenn Zögern zu Zaudern wird

Aber ich habe gestern gezögert. Und das ist auch der Grund, warum ich da heute drüber schreibe. Ich bin ja nun auf meinem Versuch, mich nicht mehr mit meinen Texten unterm Schreibtisch zu verstecken. Und da hatte ich kurz diesen Harakiri-Einfall, meinen Link zu diesem Blog auf Facebook zu posten. Das habe ich auch gemacht. Aber nach sieben Minuten und dem ersten Like, habe ich Panik bekommen. Und bei Minute acht nach dem Posten, habe ich ihn wieder gelöscht.

Plötzlich war es mir alles schrecklich peinlich. Der Blog ist eine Baustelle. Ich muss noch rausfinden, ob und wie die Kommentarfunktion freigeschaltet wird. Wie ich die Größe der Fotos im Blog verkleinere. Vielleicht noch wenige Tage und ich mache alles viel besser? Die Fotos besser auswählen. Bearbeiten. Ganz neue Fotos schiessen. Eine Lawine an Sorgen und Einwänden! So viel, dass ich lieber mal die Dinge des Alltags gemacht habe. Denn die gibt es ja immer.

Am Abend dann habe ich mich gegrämt, dass ich so feige war. Denn das ist ja leider die Schattenseite des Zögerns.

Was wir aus dem Leben zögern

Denn klar habe ich damit eventuellen Schaden abgewandt und mich nicht blamiert. Ich muss mir keine berechtigte Kritik anhören und habe nichts offensichtlich falsch gemacht.

Aber ich habe mich eben nicht getraut, mich einen Schritt weiter zu bewegen: in Richtung meines Plans, einen echten Blog mit echten Lesern zu haben.

Frisch voran!

Klar, ist es im sicheren Schutz des Vertrauten irgendwie gemütlich. Aber erstens bewegt sich die Welt ja weiter und wenn man selbst immer verharrt, passt man irgendwann nicht mehr rein. Und zweitens, verpasst man eben auch Gelegenheiten. Und wenn man dann nur sagen kann: „Habe ich probiert, war nix für mich!“ statt: „Ich habe gezögert und gezögert und weiss bis heute nicht, was eigentlich passiert wäre“.

Ich zögere noch, aber ich hoffe, ich finde bald den Mut zum Posten der ersten Eigenwerbung! Vielleicht will der Tiger mich gar nicht fressen? Und vielleicht finde ich mit den nächsten Schritten dann einen eigenen Weg, der mir große Freude bringt!

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