Kürzlich waren wir beim Pneumologen und haben aufregende Dinge erlebt. Ich wusste gar nicht, dass man auf so viele unterschiedliche Weisen durch Plastikröhren schnaufen kann. Da ist man schon halb beim Thema Blasorchester! Und überhaupt habe ich mal auf den allerersten Blick den Eindruck, dass die Lunge besonders gründlich erforscht, vermessen und mit Kennzahlen belegt ist.
Wir waren ja schon bei allerlei Ärzten über die Jahre, aber noch nie habe ich so elegante Ausdrucke bekommen, in denen alles bis auf das letzte Prozent erfasst ist.
Lufthauch und Erkenntnis
Beim Orthopäden zum Beispiel hat man ja eh oft den Eindruck, der macht viel mit Augenmass. Wenn es ganz dicke kommt und er es ganz genau wissen will, legt er ein Lineal an das Röntgenbild und schon ist die Sache geritzt. Aufschneiden, einrenken, fertig.
Beim Lungenfacharzt hingegen wird durch verschiedene Atemformen der Lunge genau auf den Grund gegangen. Vielleicht hat der Atem – Lebenshauch – einfach schon immer alle besonders fasziniert und man war gleich von Anfang an dabei, diese Sache irgendwie quantifizieren zu wollen, die man nicht sieht und die uns doch sofort zum Verhängnis wird, wenn sie ausbleibt.
Die Luft zum Atmen nehmen
Ohne Bandscheibe lebt man noch lange, ohne Essen wenige Wochen, ohne Trinken wenige Tage und ohne Atem, tja, wenn es gut läuft, einige Minuten. Da macht es Sinn, dass man mit großer Aufmerksamkeit an die Sache herangeht.
Durch die Rippen geschützt, kann man die Lunge natürlich schlecht abtasten. Aufschneiden und rein gucken, ist auch nicht empfehlenswert. Da bietet es sich an, dass man sich allerlei Tricks ausdenkt. Und vermutlich wurde schon in den Heilkliniken für Schwindsüchtige, oben in der guten Luft, viel Zeit damit verbracht, die Patienten irgendwie einzuordnen.
Gut, als Privatperson jedenfalls ist man recht überwältigt von den Vorgängen. Denn man pustet digitale Wolken über den Bildschirm oder bläst digitale Kerzen aus. Dann werden daraus krakelige Linien erstellt, die einem schon mal gar nichts sagen.
Wieviel Luft zum Atmen braucht der Mensch?
Bei so einem Bluttest schreibt das freundliche Labor ja immer Zielwerte daneben, da kann man dann gleich sehen, ob man etwa beim Magnesium total daneben liegt oder nicht.
Aber dafür gibt es dann ja den Pneumologen. Der kann einem das sehr gut erläutern.
Jetzt weiß man ja das Asthma bei Menschen der Industrienationen auf dem Vormarsch ist. Im Internet gibt es dazu mehr Theorien, als hilfreich sind. Auf jeden Fall findet man es heute eben auch dank der ausgetüftelten Systeme viel besser! Ist es vielleicht nur so wie mit dem Knick-Senk-Spreizfuß, den kann man haben, ohne es auch nur zu ahnen?
Wie ist es, man hat Asthma und keine Ahnung davon! Ist es dann so, dass man plötzlich etwas 20 Prozent besser kann, mit ein paar mal Mittel einatmen? Ist das dann so, als ob man eigentlich ein Supermann-Cape hatte, aber es gar nicht wusste und jetzt plötzlich beim Fundbüro ausgehändigt bekommt?
Oder ist es nur so ein Fall von vermeintlicher Selbstoptimierung: „Wenn Sie diese Creme benutzen, sehen Sie zwanzig Jahre jünger aus?“
Ich werde das beobachten und gegebenenfalls berichten. Vielleicht sind das ja eben die verborgenen Talente, die uns schlummern, die man durch einen Besuch beim Pneumologen oder im Fitnessstudio plötzlich freisetzt.
Aber erstmal, tief durchatmen!




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